Der Fall

Die richtige Codierung

Nachdem Melissa Maus (*24.04.1990) bei ihrem letzten Besuch in der Apotheke über das Beratungsangebot aufgeklärt worden ist, beantragt sie heute eine Kundenkarte und übergibt den ausgefüllten Fragebogen. Aus diesem geht folgendes hervor:

  • Geschlecht: weiblich
  • Gewicht: 56 kg
  • Kontaktlinsen
  • Leistungssport
  • Knoblauch-Allergie
  • Erdbeer-Allergie
  • Lactose-Allergie
  • Neurodermitis
  • Allergisches Asthma

Die Fragestellung

Wie erfassen Sie diese Angaben im Profil der Kundin?

Die Lösung

Codierung in der Kundendatenbank

Allergien

Beim Codieren von Allergien sollte man immer vom allergieauslösenden Stoff ausgehen. Nur so ist sichergestellt, dass alle Allergien erfasst werden. In der Auflistung der codierbaren Allergien sucht man eine „Knoblauch-Allergie“ vergeblich. Über die Stoffsuche nach dem Begriff „Knoblauch“ werden jedoch die vier zutreffenden Allergien angezeigt: Allylsulfid-Allergie, Ascorbinsäure-Allergie, Retinoid-Allergie und Thiamin-Allergie. Sie können nun automatisch in das Profil der Kundin übernommen werden. Die „Erdbeer-Allergie“ ist in der Auflistung aller Allergien zwar zu finden, jedoch gibt es eine weitere Allergie, die für die Betroffene relevant ist und nur über die Stoffsuche nach „Erdbeer*“ gefunden wird: Die Ascorbinsäure-Allergie. Diese ist bei Frau Maus bereits über ihre „Knoblauch-Allergie“ hinterlegt und muss deshalb nicht erneut übernommen werden.

Bei Personen, die an drei oder mehr Allergien leiden, sollte die Codierung neben den konkreten Allergien noch zwei weitere Merkmale umfassen:

  • Sicherheitshalber sollte die „Polyallergie“ erfasst werden. Diese Codierung löst einen Hinweis bei Allergikern aus, die einen Betablocker oder einen ACE-Hemmer einnehmen. In der Meldung wird davor gewarnt, unter dieser Medikation eine Hyposensibilisierungstherapie durchzuführen, da das Risiko für lebensbedrohliche anaphylaktische Reaktionen durch Insektengifte oder andere Allergene erhöht ist.
  • Zusätzlich ist im Bereich „Erkrankung“ die „Diathese (allergisch)“ relevant. Dieses Merkmal erzeugt eine Meldung bei Fertigarzneimitteln, die für Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen allgemeinen Neigung zu allergischen Reaktionen kontraindiziert sind.

Erkrankungen

Neben Erkrankungen wie einer Neurodermitis oder einem allergischen Asthma lassen sich hier auch weitere Charakteristika einer Person hinterlegen, die im Rahmen der Medikation zu berücksichtigen sind. Bei Frau Maus ist der Leistungssport wichtig, da sie deshalb keine dopingrelevanten Arzneimittel anwenden sollte. Auch sind für sie als Kontaktlinsenträgerin nicht alle Augentropfen geeignet. Weitere dieser Merkmale wären z. B. „Schwangerschaft“, „Stillzeit“ oder „Raucher“.

Zusätzlich werden bei den Erkrankungen altersabhängige Merkmale codiert, die sich nicht auf einen konkreten Altersbereich und somit nicht über das Geburtsdatum eingrenzen lassen. So befindet sich z. B. jede Frau während einer individuellen Altersspanne im gebärfähigen Alter. Die Codierung „Frau im gebärfähigen Alter“ sollte bei Frau Maus deshalb nicht vergessen werden. Bei Männern ließe sich entsprechend das Merkmal „Mann im zeugungsfähigen Alter“ vergeben.

Eine Unverträglichkeit gegen Lactose wird häufig als Allergie bezeichnet. Das trifft jedoch nicht zu, da sie durch einen Enzymdefekt verursacht ist und keine immunologische Ursache hat. Die Lactoseintoleranz ist deshalb bei den Erkrankungen zu finden. Gleiches würde auch für eine Galactose- oder Fructoseintoleranz sowie eine Phenylketonurie gelten.

In diesem Zusammenhang auch wichtig: Von der Lactoseintoleranz ist die Milcheiweiß-Allergie (Milch-Allergie) zu unterscheiden, die fälschlich manchmal als Lactose-Allergie bezeichnet wird. Lactose kann geringe Mengen Milchprotein enthalten, das eine Milcheiweiß-Allergie auslösen kann. Es ist deshalb zu klären, ob bei der betreffenden Person eine Milcheiweiß-Allergie vorliegt oder eine Lactoseintoleranz.

Alle Angaben, die Frau Maus in den Fragebogen eingetragen hatte, sind nun strukturiert in der Kundendatenbank erfasst, sodass die automatischen AMTS-Checks der ABDADatenbank² zum Einsatz kommen können. Ab jetzt lässt sich automatisch prüfen, ob ein Präparat für Frau Maus geeignet ist und ob ihre Gesamtmedikation mit individuellen Risiken verbunden ist.

Datenstand: 01.01.2022

Die ABDADatenbank² ermöglicht zahlreiche automatische Risikoprüfungen. Um aussagekräftige Check-Ergebnisse zu erzielen, ist es unabdingbar, dass alle relevanten Merkmale einer Person in einer fest vorgegebenen Form, einer sogenannten Codierung, in der Kundendatenbank erfasst sind. Hier können Sie sich über die ABDADatenbank² informieren und das aktuelle Manual herunterladen.

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